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21.02.2018

Plattdeutsch

"Um die Zukunft des Plattdeutschen im Kreis Borken sieht es düster aus"!

Diesen Satz konnte man im Monat Oktober des Jahres 2002 in einem Bericht der Belgierin Veerle van Caeneghem, in der Borkener- Gescheraner-und Münsterland Zeitung lesen. Im Rahmen einer Diplomarbeit hatte sie sich über mehrere Jahre mit der Mundartsprache im hiesigen Westmünsterland auseinandergesetzt.
Sie kam zu dem Schluss, das Platt werde zwar nicht ganz aussterben, aber als Umgangssprache von einem Gemisch aus Hoch- und Plattdeutsch mit westfälischer Einfärbung abgelöst.
Das reine westmünsterländer Sandplatt, wie immer es in den einzelnen Orten auch ausgesprochen wird, sollte im Klang der deutschen Mundartsprachen die Bedeutung haben, wie es zum Beispiel das Nördlich Friesische, das Rheinländische oder das im Süden der Republik gesprochene Platt geschafft haben.

Plattdeutsch reden ist immer etwas Besonderes, und absolut nicht der Maßstab für Intelligenz oder sozialen Stand !


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Herdfeuerabend

Zu einer Lesung der besonderen Art  hatte der Heimatverein Wüllen Mitglieder und Interessierte am 10. November 2016  auf den Ferienhof Eilers  in Wüllen-Barle 7 eingeladen. Dort trug Elke Hackfort, stellvertretende Vorsitzende, vor dem gemütlichen Herdfeuer des Großen Gästehauses plattdeutsche Gedichte und Geschichten lokaler Autoren vor. Im ersten Teil des Abends ließ es die Referentin mit ihren ausgesuchten Texten ehr besinnlich zugehen. Nach einer Pause, in der die Teilnehmer sich mit leckerem Weggen, guter Butter und einem Schnäpschen stärken konnten, erfreuten lustige Dönekes die Zuhörer. Mitwirkung des Publikums war ausdrücklich erwünscht. Die Heimatfreunde aus Wüllen und auch aus Lünten ließen sich nicht lange bitten, sangen als Solisten bekannte Lieder in Platt, in deren Refrain alle übrigen Anwesenden begeistert einstimmten, oder erzählten humorvoll Anekdoten zu dörflichen Ereignissen. Die ca. dreißig Besucher waren sich am Ende alle einig, dass sie eine rundum gelungene Veranstaltung erlebt hatten.

Ferienhof Eilers - Großes Gästehaus

Foto u. Text: H.A.

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Artikel Münsterlandzeitung vom 05.01.2013


Artikel Münsterland Zeitung vom 11.01.2014

Zum Mitmachen empfohlen !

Artikel Münsterland Zeitung vom 22.01.2014



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Wir stellen vor:

Einen Wüllener Paolbörger und einen Menschen, dem die plattdeutsche Sprache über alles ging.

Im Volksmund „ Voß Joip“ genannt.

Joseph Voß

Joseph Voß


Joseph Voß, wurde am 1.10.1904 in Wüllen geboren.

Mit seinen 8 Geschwistern wuchs er in dem Haus an der Höste auf, das uns heute unter dem Namen „Höstenpumpe“ bekannt ist. Schon damals war sein Vater Gastwirt und „Winkelwarenhändler“, außerdem betrieb die Familie eine Bäckerei und eine Landwirtschaft mit einigen Kühen. Ihr Ackerland lag wie bei anderen Bürgern außerhalb des Dorfes. In Münster erlernte er den Beruf des Bäckers und war schon im Alter von 24 Jahren Bäckermeister.
Nach dem Krieg, in dem das Elternhaus zerstört wurde, blieb er bei der Gastronomie und der Landwirtschaft. Nebenher machte er bei den vielen Hausschlachtungen, die es damals noch gab, die Trichinenbeschau.
Er kannte Land und Leute, reiste gerne, war an allem und jedem interessiert, und hatte außerdem die Gabe, politische und private Situationen aus dem Dorf oder der Familie mit plattdeutschen Worten zu beschreiben. So hat er uns einige lustige und auch nachdenkliche Reime hinterlassen. Er schrieb im alten Wüllener Plattdeutsch, von dem viele Ausdrücke heute im 21. Jahrhundert schon nicht mehr gebräulich oder vergessen sind.
Am 4.1.1983 verstarb Joseph Voß ganz unerwartet. Mit ihm verlor Wüllen ein Original.

Das LiedSo lange up de Höste……“ ist wohl am bekanntesten von seinen geschriebenen Sachen. Es wurde zur „Nationalhymne“ des Wüllener „ Fastelaowends“.



...so lange öwwer de Straote de olle Messkoar geht...

Da es in jedem Sessionsheft steht, und fast jeder Einwohner des Dorfes die Zeilen auswendig kann, werden hier zuerst die anderen Verse von Joseph Voß präsentiert.



Baole. 1946 ( Barle, Bauerschaft von Wüllen)
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Sundagsmiddags, wenn de Sünne schinnt lück waim,
päk de Jung sien Mäiken sachte achtern Aim,
„Worhen söll wi gaohne, miene lewe Dern,“
„Ach,“säg se „nao Baole, dor bün ick so gern.

Up den Beig, wor swatte Dannen staoht,
wor dör Feld un Bus, so schöne Pättkes gaoht,
wor de Höwwe leit noch immer vör dat Land,
und dat Het noch blöit an Wäg un Grabenrand.

Wor de Becke hen un wer dör Baole flött,
usse Papa met Plesär ne Rebuck schött.
Kümp he dann in Huse met ne Buck so fien,
Frau he is de dahle, nu schütt eene in.“

Joseph Voß



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Kösters Mette

Maondags moins üm halw Sewwen,
woll Kösters Drüken de Mette wat gewwen,
wat waims te suppen in dän Pott,
dor göng se met nao’t Mettenschott.

De Mette lag up eene Siet,
un was dän Verstand al bolle quitt,
se rock noch eemol an dän Pott,
dann reckne se sick un was kapott.

Do wassen alle up dän Plass an’t drawen,
se wollen de doode Mette begrawen
Vöcking Dors, dän grötzten van dän Tropp,
de krech de doode Mette bi’n Kopp.

Do röp Kremes Natz „Gutt Dank,
dor geht de Jude de Straote entlang,
holt Jude, wocht es, mak es kehrt,
wat is dat Fell van de Mette wall wehrt?“

Sewwen Groschken bott he fort,
“Glück demet,”sag n aollen Koort,
von Rissen mog in’n vullen Sprung,
met Geld un Pulle nao de Funk.

„Seggen wall es,“säg de Funk,
de Mette vermäk u ne schönen Drunk,
dor schellt men eenen Groschken an,
dann krich i genau ne ganze Kann.

Joseph Voß 1924



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Ehestand. Joseph Voß

Ehestand oh Wehestand,
hat ick di men eher kannt,
ick will di dann wall wisse säggen,
dann has du mi seläwent nich kräggen.

Well di nich kennt, mag di wall priesen,
doch met Tügen kank di bewiesen,
ne Bedreger büs, ick sägt rein harut,
erst büs so sööt äs Appelkrut.

Doch wo gawwe dös verschlaon,
as Mostertpott, dem bloß löt staohn.
Laot us es een Jaohr wiedersetten,
wat’t dann giw söll ih alle wetten.

Dann mags hüppen, of mags tellen,
de Wisemor de muß bestellen,
ok schällt Geld jeden Ogenblick,
und dat ist men grade, dat häb ick dick.

Dän ick kriegt so selten te sehn,
Groschkens wennig un Daalers kineen,
fröher hat ick Klumpe met läerne Kappen,
van Dage eene kapott, un dän annern an’t rappen.

De Söcke hangt men äwent anneen,
Hacke un Freije kas helle sehn,
dat Hemd dat häng mi ut de Bux,
de Blagen makt doröwer Jux.

Ne Rock häb ick aohne Schlips,
un de Haore wast mi dör de Kips,
ne Weste aohne Rüggepant,
alles is ut Rand un Band.
Doch ick will men nix mehr säggen,
süs mak ick de Jungen dat Traun noch teggen.


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Hoge Wäg - Hoher Weg



Naogedanken an dän fröheren "Hogen Wäg"

von Brigitte Winkelhaus

Van Wessem wor de Orke halw,
an dän Handwieser likut,
längs Heuker un dann Kaiks Station,
dän Wäg de kannde ich gutt.


Knufs Riete de lagg an dän End,
wi Blaagen dögen dor monks Schoope hön,
in kotte Tied hat wi se wendt,
se wussen dann wo't Stoten göng.

Dat gaw Spass un blaue Placken,
de Schürzen grön van Gröss,
un owens wat in'n Nacken,
wenn't es te dull west was.


Van Kaiks Station trok he dann
an mien Öllernhus verbie,
van Daage denk ick fake dran,
Schoolwäg un Kaikwäg was he för mie.


As Kind bün ick bi Wind un Wär
dän Wäg dör'n Neschke fake draaft,
nich telaat kommen heten et immer wär,
man lööp bes to de leste Kraft.


Sommerdag stönn Korn an bäide Sieten,
Bloomen blöiden drin an'n Rand,
Winterdag kos öwer de Stücke kicken,
un dän Ostwind tüt'te öwert Land.


Van usse Hus bes an de de grote Straote
was dän Wäg van Kalk mongs witt,
erst lagg links dat Lock, dat grote,
un dann dat Kalkwerk, dat qualmte dick.


Fake bün ick fröher gaon,
dän "Hogen Wäg" up Quantwick an,
immer met de Sünte Jans Prossion,
un ok sunndags met Vader as Gespann.

Van de Bundesstraote likut likan,
löp dän Föhrwäg dör't Gewass,
bi schlecht Wär trock man am besten Stewwel an,
aber Sommerdag dor ok kin Mahlsand was.

Son richtig Pättken gawwt dor nich,
man tratt wor man am besten konn,
wennig Lö man dor te sehen krech,
de wollen wall lewer de Straote gaohn.

Vorbie an Gehrings Linde kömen wi up dän Wäg,
de stönn dor grot un staolt,
öwer dän ganzen Neschke man söch
dat Jaohrhunderte olle Holt..


An de Station, sienen Hoot in de Hand,
schickten Vader und ick ne Gruß nao bowwen,
achtersnao satt wi us en Tüürken up de Bank,
un keken wo de Duuwen ut de Linde stowwen.

Dat olle Kalkloch was immer wär
ne Stää to't räuschken un dröömen,
ick stellde mi de  grüweligsten Vertellkes vör,
un soch feine Steene, wenn wi de langs kömen.

Ne End wieder, rechts up dän Hook,
was de olle Windmölle usse nächste Ziel,
de söch doo garnich ut as in't Book,
üm ehr wast ok all lange still.



Ehre Fluchten dräiden sick nich in de Wind,
se hat se garnich mehr,
ick konn dat nich verstoahn as Kind,
unVader verklör mi dat dann wär.

Wi nöhmen dann dän Wäg rechtsaff,
längs Schwerings Kotten un Bünings Station,
nao Hus hen göngt dann boll in'n Draff,
gerne bün ick dän "Hogen Wäg" goahn.



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Ansprechpartner:


Agnes Büscherfeld
Unterortwick 3
48683 Ahaus - Wüllen
Tel.: 02561 - 82360








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